Camp Agustin


Meine Reise zu Don Agustin nach Yushintaita

Ich habe keine riesengroßen Erwartungen gehabt, doch auch wenn ich sie gehabt hätte, wäre ich nur positiv überrascht worden. Alles hat schon ziemlich abenteuerlich angefangen.

Nach einer Übernachtung in Lima, und einem Besuch in Pucallpa bei Agustins Schwester, die sich sehr um uns kümmerte, lernten wir schon einheimische Sitten kennen. Mit einem eisernen Flussschiff namens Milita, fuhren wir vier Tage und Nächte auf dem Fluss Ucayali entlang.

An Bord gab es eine Küche, neben der die Tiere eigenhändig geschlachtet wurden, gleich daneben befand sich die Dusche und das Klo, und überall wuselten Kleinstlebewesen herum. Wir hätten im großen Aufenthaltsraum des Schiffes in Hängematten mit 200 anderen Indianern übernachten sollen, doch ich habe es dort unten nicht ausgehalten.

Auch wenn zuerst diese ungewöhnlichen Sachen überwogen, haben wir dann unsere Mitreisenden besser kennen gelernt, und viele peruanische Kinder, die unglaublich selbständig und lieb waren, und auch die verschiedensten Tiere, wie Hühner, Stiere, Schweine, die dann teilweise geschlachtet wurden. Doch ohne diese Fahrt hätten wird die tollen Stimmungen der Sonne, diese Farbenpracht nicht erleben können, weil im Dschungel die Vegetation zu hoch ist. Trotzdem waren wir alle sehr froh, nach vier Tagen festen Boden unter den Füßen zu haben und endlich Agustin treffen zu können.

Etwas erschöpft, wurden wir von peruanischen Kindern in sein Dorf geführt. Ein Wahnsinn, ein richtig wundervolles, geblümtes, belebtes Dorf, wo es keine versperrten Türen gibt, die Kinder frei herumlaufen und Sonne, Sonne, Sonne...

Der Weg zum Dschungelcamp verlief ohne Worte, denn meine Freundin Christa und ich waren sprachlos über dieses Paradies, das uns dort erwartete. Natur pur, liebe freundliche Leute, begleitende Beschützer, die Wachhunde, einfach ein paradiesischer, magischer Ort, von dem wir uns nur selten trennen wollten.

Wir wurden dort von ganz nettem Personal mit Dschungeldiät (jedenfalls, wer wollte) bekocht, jeder hatte einen himmlischen Schlafplatz und es fehlte uns an wirklich nichts. Die freundliche Atmosphäre dort öffnete unsere Herzen. Wir wurden gereinigt, von innen nach außen, auch unsere Gedärme, Agustin bot uns dazu ein spezielles Getränk an. Unsere Haut, die wir mit einer Frucht einschmierten, Huito, verfärbte sich, sodass wir dunkelblau herumliefen, aber auch unser Geist reinigte sich, das wohl das wichtigste ist.

Don Augustin hatte für uns vier Zeremonien vorbereitet, in denen sowohl er, wie auch wir arbeiteten. Es ist herrlich, erfahren zu dürfen, was Gottes Werke sind, wie Heilung stattfindet, wie jeder einzelne dazu beitragen kann, sich zu finden, sich zu öffnen, neuen Glauben zu finden, die positiven Sachen verstärkt zu bekommen, und soo viel Liebe, Liebe, was wirklich das Wichtigste ist. Es war so wunderbar, in dieser Kultur aufgenommen zu werden, zu lernen und auf die anderen einzugehen.

Am Anfang habe ich mich, da ich nicht so ein Gruppenmensch bin, nicht so leicht getan, doch ich habe auch dazugelernt, wieder neuen Mut und Glauben gefasst, ich habe die Gewissheit bekommen, dass uns wirklich schon ein Platz im nächsten Leben reserviert wird, dass wir hier und jetzt zusammen helfen müssen, und das Beste für die anderen zu wollen. Wir sind nicht dazu geboren, allein und blind durch die Welt zu gehen, sondern einander zu helfen und zu lieben.

Jeder hat während des Rituals seine ganz persönliche Heilung erlebt. So viel Naturverbundenheit und Reinigungen und Lachkrämpfe, ich habe gelacht, unheimlich, so viel, in Unmengen. So etwas zu erleben ist einfach unglaublich und weltverbindend. In so kurzer Zeit haben wir so viel Kraft getankt. Augustin hat es uns ermöglicht, wirklich ein großes Dankeschön an ihn.

Ich möchte mich eigentlich nicht mehr in Einzelheiten verlieren, da ich nicht mehr aufhören könnte zu schreiben, jeder Tag war ein Erlebnis, muy especial, wir lernten auch viel über die verschiedensten Heilpflanzen dort, und natürlich auch Peruaner kennen. Für alle Sinne war gesorgt. Christa und ich malten und zeichneten auch viel, machten Musik, und lernten auch peruanische Männer kennen.... von Langeweile keine Spur!

Agustin wurde unterstützt von drei weiteren Schamanen, die ebenfalls großartig waren. In der Obhut von vier Schamanen, da kann ja gar nix schief gehen!

Doch auch dieses Paradies mussten wir einmal verlassen, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Der letzte Tag in Iquitos war ebenfalls noch sehr romantisch und interessant. Ich habe dort eine universidad de bellas artes angesehen, wo ich gerne ein Jahr studieren möchte.

Vollkommen gestärkt flogen wir in unsere Heimat zurück, und nicht so traurig wie ich mir gedacht hätte, da ich ja weiß, dass ich wieder nach Peru reisen würde, und außerdem gibt es in unserer Heimat, die ja auch nicht so hässlich ist, allerhand Positives zu erledigen. Also, hiermit möchte ich allen nochmals danken, und diejenigen, die eine solche Reise vorhaben, anspornen, es zu tun. Muchas gracias y hasta luego, (NINA)

 

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Nina Ettel studiert in Wien Kunst und hat sich im Sommer 2001, gemeinsam mit Freunden zu einer Reise nach Yushintaita aufgemacht...