kama:
Während bei der Heilerin Sonia soziale Wärme zu spüren
ist, scheint die Aufklärerin Balbina in einem etwas
niedriger temperierten Kontinuum zu leben. Denn in
diesem geht es offenbar um die reine
Selbstverwirklichung des einzelnen. Das scheint auch gut
zur Bedürfnislage jener zu passen, für die Erfolg das
einzig Erstrebenswerte in ihrem Lebensmodell darstellt.
In Lateinamerika herrscht unvorstellbare Armut, Hunger
und Krankheit. Ungerechte und korrupte Regime verhindern
sozialen Fortschritt. Warum ist hier so wenig vom
Einfluss des Schamanentums zu spüren? Auch unsere
aggressive westlichen Kultur hat bis heute allen
Versuchen widerstanden, durch metaphysische Einflüsse
humanisiert zu werden. Ganz im Gegenteil, in unseren
Schulen wird mehr Ellenbogen-Technik vermittelt als
soziale Kompetenz. (Ausnahme: Das pädagogische Konzept
der Maria Montessori, vielleicht)
Balbina:
Im Gegensatz zur aktuellen materialistischen
Weltanschauung, der Lehre von der Trennung, muss in der
Ganzheit nichts geteilt werden. Die ganze Energie steht
jedem einzelnen Aspekt der Ganzheit zur Verfügung, also
jedem Menschen. Und es liegt an jedem Menschen selber,
ob er Überfluss, Gesundheit, Krankheit oder Armut wählt.
Das ist keine Schuldzuweisung im Sinne von „die Armen
und Kranken sind selber schuld“, sondern zuerst einmal
eine praktische Ausgangsbasis. Schuld gibt es sowieso
nicht. Es gibt nur Erfahrungen, und, im günstigsten
Fall, eine Art Lernprozess aus diesen Erfahrungen.
Dieser Lernprozess ist eher ein Erinnern an die
unbegrenzten persönlichen Fähigkeiten, die schon immer
existieren, aber, um bestimmter Erfahrungen willen,
vergessen wurden. Wir leben jetzt glücklicherweise in
einer Zeit, in der diese Trennung nicht mehr relevant
ist und wir alle uns wieder mehr und mehr dem Ganzen
zuwenden.
Die Ressourcen sind nicht knapp. Jede Art von Ressourcen
sind unbegrenzt erhältlich. Sie müssen aber zuerst im
Geist geschürft werden, und nicht im vermeintlichen
Außen. Und diese unbegrenzten Ressourcen sind ungeteilt,
individuell, zugänglich für jeden Menschen. Daran werden
wir uns im Westen erinnern, in dem immer noch das Gesetz
des Stärkeren herrscht, und das können wir unserer
eigenen Welt vermitteln, sofern wir es verstanden haben.
Durch die Trennung vom Ganzen entsteht Angst, die Angst,
nicht zu überleben, die Angst, teilen zu müssen, die
Angst vor dem unaufhaltsamen Verfall, die Angst vor der
Auslöschung. Diese große Angst hat zu den bekannten
Zuständen geführt, in denen Wenige immer mehr Materie
anhäufen und Viele sich als Opfer der Umstände fühlen
und deshalb in Armut und Not leben, und das Mitten in
einem Überflussuniversum.
Der Westen hat mit seinen intellektuellen Konzepten,
gepaart mit einem starken Willen, sehr viel Erfolg in
der Manipulation von Materie. Obwohl dies zu Wohlstand
und sogar Reichtum geführt hat, ist die geistige
Verwahrlosung nicht mehr zu übersehen, denn keine
Reichtümer der Welt ersetzen die Einheit mit dem Ganzen
und damit mit sich Selbst. Wir haben eine große
seelische Not im Westen und eine große materielle Not in
anderen Bereichen der Erde, ebenfalls ein Ausdruck der
Trennung, die zwei Seiten der selben Medaille. Jetzt
geht es darum, Breschen in die Mauern der Trennung zu
schlagen, Energie zuzulassen, und damit die Welt – die
immer die eigene Welt ist – zu verändern.
Das einzige Rezept dazu ist die Selbstverwirklichung,
denn keine Macht des Himmels und der Erde kann einem
Individuum diese Einsicht geben, die muss sich jeder
selber schenken. Die großen Weltreligionen haben
versucht, die Weisheit der Ganzheit zu vermitteln. Aber
mit dem „Begründer“ dieser Weisheit starb auch die
Einsicht, denn sie ist nicht lehrbar sondern
ausschließlich durch eigenes Erleben zu erringen.
Schamanen haben in großer Weisheit erst gar nicht den
Versuch zur Bekehrung gemacht! Diese
Selbstverwirklichung kann auf die verschiedensten Arten
praktiziert werden, auf so viele Arten wie es Menschen
gibt. Es gibt keine festen Rituale, Gebote, Gesetze, es
gibt einfach keine Landkarten. Wer diese Reise
unternimmt, tritt in unerforschtes Gelände und sucht
sich den Weg, der seiner Persönlichkeit entspricht. Das
Ziel ist jedoch für alle gleich, nämlich die ganz
individuelle Einheit!
Dieser Weg zur Ganzheit ist im besten Sinne sozial und
alles, was in der Trennung verharrt, ist unsozial. Die
Zustände auf der Welt beweisen dies mehr als genug. Der
Weg zur Selbstverwirklichung mag zuerst kalt und
eigensüchtig erscheinen, da sich der getrennte Mensch
als „Teilchen“ begreift und nicht als das Ganze. Und es
ist wahr, dass zuerst einmal die Herdenwärme des
konditionierten Menschen wegfällt und die klare Luft der
Einsicht als frisch erscheinen mag, zumindest für den
vermeintlich getrennten Beobachter.
In Wirklichkeit ist aber das ungeteilte Universum voller
Wärme und Licht, denn erreichbar ist der Zugang zur
Einheit am Leichtesten durch Liebe, einer Alles
umfassenden Liebe – die stärkste Energie in allen
Dimensionen. Liebe ist lebensfördernd und dauerhaft,
kennt keine Zerstörung und ist die Kraft, die alle
Kreativität antreibt und die Vision oder Wahrnehmung
verwirklicht.
Einsicht ist nicht lehrbar. Was aber vermittelt werden
kann, sind Methoden als Impuls zur Einsicht. Das ist
schon immer der Beitrag von Schamanen und
Weisheitslehrern, die nie müde wurden, von der
Wirklichkeit des Ganzen zu sprechen und zu schreiben.
Das ist auch der effektivste Entwicklungsbeitrag im
Westen, Osten, Norden und Süden. Solange dies nicht als
wirklich angenommen wird, solange müssen wir eben
Wohltätigkeit üben, wobei Wohltätigkeit die
Bedingtheiten eher verstärkt, überzeugt sie doch „das
Opfer“ noch mehr von seinem ohnmächtigen Zustand.
Jedes Individuum kann begreifen, dass diese Ebene
aufgrund der persönlichen Überzeugungen und
Glaubenssätzen funktioniert. Ich nenne das den
„operativen Glauben“. Ich nehme das für wahr, wovon ich
überzeugt bin, das, was ich glaube. Oder, wie Jesus
Christus sagte: „Wegen eures Kleinglaubens; denn
wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein
Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich
weg von hier dorthin! und er wird sich hinweg heben. Und
nichts wird euch unmöglich sein!“ (Matth.) und von
Markus: „Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berg
sagen wird: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer! und
nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glauben,
dass geschieht, was er sagt, dem wird es werden.“
Das christliche Weltbild hat ein Fundament, in dem die
Magie des Seins ausdrücklich beschrieben ist: das Neue
Testament, ein „Handbuch der Magie“. Jede Kultur hat
dieses Wissen und drückt es in eigenen Worten und
Analogien aus. Es liegt an jedem Menschen selber, sich
daran zu erinnern und es zu praktizieren.
Tja, und dann ist es der Himmel auf Erden, oder, weil es
so schön ist noch ein Wort aus dem Johannesevangelium:
"Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es
tut".
Sonia:
In Südamerika ist sehr viel vom Schamanentum zu spüren
und zu sehen. 80% der Gesamtbevölkerung lassen sich von
Schamanen, Curanderos, Vegetalistas etc.
behandeln. Deshalb hat auch die WHO 1980 dem
Schamanismus einen sehr hohen Stellenwert für die
Gesundheitspolitik eingeräumt. In vielen Kliniken sind
Schamanen beschäftigt und arbeiten dort mit Ärzten
zusammen.
Trotz Missionierungsversuche weißer Eroberer und
Ausrottung alter Traditionen. Trotz der Ausbeutung der
Wälder und Verschmutzung der Flüsse, widersetzten sich
die meisten Urbewohner des Regenwaldes Manipulations-
und Einschüchterungsversuchen. Ihre Kultur und ihr
Wissen ist nach wie vor lebendig und ungebrochen.
Hier möchte ich Euch ein Beispiel von Don Agustin, dem
Schamanen erzählen.
Vor vielen Jahren hatte er ein Gesundheitsprojekt im
Amazonas in der Nähe von Pucalpa in die Wege geleitet.
Es ermöglichte den Bewohnern sich umsonst behandeln zu
lassen. Die Koka-Mafia hingegen drängte Don Agustin den
Platz für den Koka-Anbau zu verwenden. Er weigerte sich.
Da brannten sie ihm alles nieder.
Er musste flüchten. Madre Ayahuasca schenkte ihm
daraufhin einen Traum und führte ihn an den Platz, wo
heute sein neues Camp steht. Die Geister waren mit ihm,
eröffneten ihm die Wege nach Österreich zu kommen und
hier auch wieder das Geld zu verdienen um alles wieder
neu aufzubauen. Ja mehr noch, inzwischen sind dort
weitere Projekte angesiedelt, um die Lebensqualität der
Menschen dort zu verbessern.
Don Agustin ließ sich nicht von der Angst leiten, war
stark in seinem Herzen und folgte dem Ruf der Spirit´s.
Da wurde für ihn gesorgt.
Wie anders wäre doch sein Leben verlaufen, hätte er dem
Druck der Coca-Mafia beigegeben. Dann wäre er jetzt
nichts weiter als ein verarmter, ausgebeuteter
Coca-Bauer.
Diese Geschichte lehrt uns auch, dass, wenn wir den Weg
der Fülle und de Vertrauens auf der spirituellen Ebene
gehen, auch dafür gesorgt wird, dass sich die
materiellen Bedürfnisse und existentiellen Wichtigkeiten
über den Austausch von Energie erfüllen lassen. Ja noch
mehr, Don Agustin verstand die Fülle des Energiewertes
Geldes zum Wohle von vielen einzusetzen.
Das ist eine Bewusst-Seins-Sache, wie Balbina schon
hervorragend beschrieb. Ein sich Befreien von karmischen
Mustern und Verstrickungen, die Schwächen und Defizite
in unser Leben bringen.
Dabei ist die persönlich seelisch-geistige Entwicklung
natürlich von tragender Präsenz, inwiefern
Bewusst-Seins-Prozesse in Tiefe am Geschehen sind oder
nicht.
Somit ist es, wenn wir die Welt verändern/verbessern
wollen immer nur dann möglich, wenn wir selber in uns
heil und ganz und im Gleichgewicht sind.
Will wer schamanisch Heilen lernen, wird er/sie immer
erstmal einen jahrelangen tiefen Selbstheilprozess
durchwandern, bevor er fähig ist andere zu heilen.
Somit steht die Selbsterkenntnis, Selbstheilung und
Selbsterfahrung immer am Anfang eines spirituellen
Weges.
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