Zwei
Frauen brachen nach unterschiedlichen Erfahrungen auf um
eigenen spirituellen Wegen zu folgen. Balbina die
Magierin und Sonia die Schamanin. Kurz nachdem ich sie
im Web traf, habe ich die beiden auf ein anregendes Frage-Und-Antwort-Spiel
eingeladen. Wir zogen uns
für ein paar Wochen in ein Forum zurück und fanden ganz
nebenbei heraus, wie anregend Netzwerk-Kommunikation
sein kann.
kama:
Balbina und Sonia, was sind euer Meinung nach die grundsätzlichen
Unterschiede zwischen der christlich/islamischen Lehre
und dem Schamanismus? Wandeln islamische und christliche
Mystiker etwa auch auf schamanischen Wegen?
Balbina:
Die großen Weltreligionen wie das Christentum, der
Buddhismus, der Islam, sind Interpretationen der
Wirklichkeit, die von deren Religionsgründern eingesehen
wurde. Da diese Wirklichkeit nur individuell in ihrer
Ganzheit erkannt werden kann, müssen die Anhänger, die
keine individuelle Erkenntnis haben, glauben, was ihnen
die Kirchen sagen. Das ursprüngliche Wissen umfasst die
Ganzheit, die Interpretationen aber sind auf die
dreidimensionale Ebene, und damit auf die Dualität,
reduziert, was eine enorme Widersprüchlichkeit erzeugt.
Deshalb können die Gläubigen jeder Coleur eigentlich
nicht glauben, sie hoffen bestenfalls, daß doch ein
Funken Wahrheit in den Aussagen ihrer Priester steckt.
Die großen Weltreligionen des letzten Jahrhunderts wie
der Kommunismus, der Kapitalismus und die
Naturwissenschaften, sind nicht nur auf die
dreidimensionale Ebene beschränkt, sie sind sogar auf
den Intellekt reduziert und leugnen die Bedeutung von
absoluter Individualität und den Ausdruck der Intuition
und Emotion als gültige Grundlagen der Wahrnehmung.
Damit haben sie den Diener zum Herren gemacht, oder wie
Einstein sehr treffend sagte:
"Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der
rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine
Gesellschaft geschaffen, die den Diener ehrt und das
Geschenk vergessen hat."
Wir sind jetzt im Zeitalter der Individualität, in einem
Zeitalter, in dem Viele aufbrechen, um individuell die
Ganzheit zu erringen um auf dieser Grundlage eine neue
Gesellschaft zu gründen. Das Erringen der Individualität
ist das Ende der großen Weltreligionen, die kollektiv
organisiert sind, und es ist das Ende der
Nationalstaaten in ihrer jetzigen Form. In dieser "neuen
Welt" ist jeder sein eigener Hohepriester - sein eigener
Schamane.
Sonia:
Schamanismus ist über die ganze Welt verbreitet. In
erster Linie ist Schamanismus ein Heilsystem. Ethnologen
sagen, dass es das älteste Heilwissen der Welt sei,
soweit eben erforschbar. Der Schamanismus lehrt uns die Kräfte und Energien
von der Erde, den Elementen aber auch die des Kosmos
wahrzunehmen, zu verstehen und anzuwenden. Durch die enge
Berührung und Verbindung mit der Natur, realisieren
schamanisch praktizierende Menschen sehr bald, dass
alles belebt und beseelt ist und in allem eine Seele
innewohnt.Wir fangen dann auch zu verstehen, dass hinter
allem was existiert eine Art Schöpferkraft ist, die
alles Leben trägt und nährt. Somit entwickelt sich über
den schamanischen Weg sehr wohl eine Spiritualität, die
aber völlig undogmatisch ist. Je nachdem wo der Mensch
lebt, wird er sicherlich die eigene Religion integrieren
oder einen Zugang zur Naturspiritualität finden.
Es wird gesagt, der Schamane redet mit den
Geistern. Ja, das stimmt. Die Geister sind die Spirits,
die Seelen, die Wesen die in Tieren, Pflanzen,
Steinen.... in Erde, Wasser, Luft und Feuer....in
Planeten und Sternen innewohnen. Denn alles was lebt hat
auch eine Seele.
Es gibt islamische Schamanen (Sufis), tibetische,
indische, sibirische, indianische... Schamanen sind die
Hüter des alten Wissens, welche helfen Mensch, Erde und
Kosmos in Gleichgewicht zu halten und Unstimmigkeiten
auszubalancieren.

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