Zitate für Skeptiker: Magie und Wissenschaft

Unsinn Der Wahrnehmung
Prof. Dr. Ernst Pöppel

"Lange war man der Ansicht, dass sich Welterfahrung oder Wahrgenommenes ununterbrochen von außen nach innen aufbaut, d.h. von der Welt um uns über die Sinnesorgane nach innen. Das ist Unsinn. Schon aus der Architektur des Gehirns geht hervor, dass die Bereiche im Gehirn, in denen das Sehen oder das Hören repräsentiert ist, weniger als 10 Prozent der Information vom Auge oder Ohr direkt erhalten. Mehr als 90 Prozent der Information kommt von anderen Bereichen des Gehirns. Das heißt der direkte sensorische Input von Auge oder Ohr moduliert nur das, was jeweils schon im Gehirn repräsentiert ist."

Nicht alles Unerklärbare ist Scharlatanerie
Prof. Dr. med. Franz Porzsolt

"Ich glaube wir sollten sehr vorsichtig sein, zu voreilig andere Kollegen als Scharlatane zu bezeichnen, wenn wir den Mechanismus, mit dem Effekte erzielt werden, nicht verstehen."
"Geistheilern wird vorgeworfen, dass sie mit nichts arbeiten. Dieser Vorwurf ist verständlich, weil er aus einem Weltbild stammt, das die Information als heilendes Agens nicht kennt. Auf diesem Hintergrund bleibt natürlich nichts übrig, weil keine Pharmakologie, kein Strahl und kein Stahl, also keine physikalisch definierbare Intervention vorgefunden wird. Dann heißt es, es sei eine Null-Behandlung. Es ist aber keine Null-Behandlung. Es ist eine Intervention, die durch Information ausgelöst wird."
"Information kann eine spezifische Wirkung haben, genauso wie ein Arzneimittel spezifische Effekte haben kann."
"Es entspricht der alltäglichen Erfahrung, dass durch Information physiologische Prozesse in Gang gesetzt werden können, die wir nach unserem naturwissenschaftlichen Verständnis normalerweise nur chemischen Stoffen zuweisen möchten. Im richtigen Leben haben wir kein Problem, die drahtlose Übertragung von Information (Handy) zu akzeptieren, weil wir wissen, dass und wie sie funktioniert."

Heilung durch Information
Prof. Dr. Ernst Pöppel

"Die aus den Bauch heraus kommenden Intuitionen sind nicht irrational, sondern repräsentieren die persönliche Wirklichkeit. Fasst man die Erkenntnisse der Gehirnforschung zusammen, so ist es entscheidend, der eigenen Intuition zu trauen, denn sie basiert auf Wissenssystemen, die im Gehirn auch repräsentiert sind. Für die eigene Lebensführung und die Gesundung nach Erkrankungen spielt sie eine viel wichtigere Rolle, als die gedankliche Verarbeitung."
"Das Konzept des Placebo-Effekts sollte völlig aufgegeben werden. Wir sprechen heute von einem ‚Knowledge Frame': Das explizite und vor allem auch implizite Wissen um Zusammenhänge ist bereits heilungsfördernd oder sogar heilungsbestimmend."
"In einem Zeremoniell oder Ritual können Dinge geschehen, die eine positive Wirkung auf den Patienten haben, obwohl der Arzt gleichzeitig eine negative Mitteilung macht. Der inhaltliche Aspekt seiner Mitteilung, dass beispielsweise das verabreichte Medikament mehreren Studien zufolge wirkungslos ist, stört die positive Wirkung des Atmosphärischen nicht notwendigerweise."
"Von einer Illusion zu sprechen wäre ganz falsch. Denn ein Wort, ein Bild oder ein Geruch - also eine Information im allgemeinen Sinne - hat vielleicht sogar eine größere Wirkung wie eine medikamentöse Behandlung. In der Medizin hat sich leider noch nicht bei allen herumgesprochen, dass das Nervensystem nicht unabhängig ist von den anderen Organsystemen. Es gibt eine sehr enge Verflechtung zwischen Nervensystem, Hormonsystem und vor allem auch dem Immunsystem. Diese Systeme kommunizieren permanent miteinander, so dass es Wirkungsentfaltungen geben kann, die wir explizit bisher nicht verstehen, aber die sich auf die Krankheitsregulation auswirken."

Prof. Dr. med. Franz Porzsolt

"Welche Kriterien muss die Information erfüllen, damit sie dem Patienten hilft? Es gibt ein ganzes Bündel solcher Kriterien. Es spielt definitiv eine Rolle, von wem die Information kommt. Es gibt in der Medizin den sogenannten Weißkittel-Effekt. Demnach steigt der Blutdruck des Patienten, sobald er den Arzt im weißen Kittel sieht. Das ist ein Informations-Effekt."

Rituale aktivieren geistiges Potential
Prof. Dr. Michael von Brück

"Wie kommt es, dass bestimmte Menschen eine besondere geistige Ausstrahlung haben und geradezu Leitfiguren, oder wie der Philosoph Karl Jaspers es formulierte maßgebende Menschen werden, wie beispielsweise Buddha, Jesus und Mohammed, und andere nicht? Was muss eine solche charismatische Gestalt mitbringen, um die Menschen zu faszinieren? Im Begriff ‚faszinieren' ist die Antwort schon enthalten. ‚Faszinieren' kommt von ‚faciens', dem lateinischen Wort für Bündelung. Das heißt, alle menschlichen Energien und Kräfte, alle Potentiale werden gebündelt und das muss dieser Mensch, der Ausstrahlung hat, natürlich erst einmal in sich selbst verkörpern, in sich selbst geleistet haben. Eine Konzentration aller physischen, psychischen und geistigen Energien geschieht oft durch Übungen wie Meditation oder durch Übungen in der Kunst. Wenn jemand so fokussiert, so zentriert ist, dass es für ihn nichts anderes mehr gibt, dann hat er plötzlich eine Ausstrahlung, die ihresgleichen sucht. Dieses Phänomen ist einer Lichtquelle vergleichbar, die normalerweise sehr diffus ist und in alle Richtungen strahlt. Aber wenn sich das Licht zu einem Laserstrahl bündelt, hat es sogar die Kraft, Metall zu zerschneiden. Ähnlich ist es mit geistigen oder psychischen Energien, die auf eine Art und Weise, die wir noch nicht kennen, sich auch auf andere überträgt."
"Die Ausstrahlungskraft und tatsächliche Wirkung von charismatischen oder religiösen Gestalten auf die Menschen liegt sicherlich auch in den kulturellen Erwartungen begründet. Es liegt nicht allein an der charismatischen Gestalt oder an dem Gläubigen, der sie verehrt, sondern in der kulturellen Erwartung, in dem Muster, das über Jahrhunderte gewoben worden ist und jetzt diese geistigen Potentiale, die in allen Menschen ruhen, wachruft. Es ist tatsächlich ein Er-wachen. Die indische Tradition spricht dies sehr deutlich aus. Der verehrte Gott ist eigentlich nur eine Projektionsfläche in der man das Göttliche in einem selbst verehrt oder überhaupt erst hervorbringt. Erst die Verehrung macht dies möglich. Geistige Potentiale, was als Möglichkeit angelegt ist, müssen aktiviert werden. Religiöse Kulte, Meditation und alle anderen verschiedenen Formen, die Religionen entwickelt haben, sind eigentlich solche Wachrufungs- und Aktivierungs-Rituale, mit denen der Mensch die Kräfte, die in ihm liegen, wachruft und aktiviert. So wird das schlummernde, latente, göttliche Potential erst tatsächlich realisiert."


Prof. Dr. Ernst Pöppel
Ludwig Maximilian Universität München
Vorstand des Instituts für Medizinische Psychologie in München (seit 1977) und geschäftsführender Vorstand des Humanwissenschaftlichen Zentrums der Ludwig-Maximilians-Universität. Wissenschaftliche Stationen in den Max-Planck-Instituten für Verhaltensphysiologie und Psychiatrie, am Department for Psychology and Brain Science des MIT, Cambridge (USA), und dem Forschungszentrum Jülich (zuständiger Vorstand für Biotechnologie, Medizin und Umweltforschung). Forschungsinteresse vorwiegend im Bereich des Sehens und der zeitlichen Koordination des Verhaltens und bewusster Prozesse.

Prof. Dr. Michael von Brück
Ludwig Maximilian Universität München, Instituts für Religionswissenschaft
Studium der Theologie, des Sanskrit und der indischen Philosophie in Rostock, Bangalore und Madras. In Indien und Japan Ausbildung zum Yoga- und Zen-Lehrer. Seit 1991 Vorstand des Instituts für Religionswissenschaft an der Universität München. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Hinduismus, Buddhismus, zu interkulturellen Zeitproblemen und zum interreligiösen Dialog.

Prof. Dr. med. Franz Porzsolt
Universitätsklinikum Ulm, AG Klinische Ökonomik
Gründer der AG Klinische Ökonomik, Mitglied der Cochrane Collaboration und des Center for Evidence-Based Medicine, Oxford, England. Mitglied der Abteilung Medizinische Psychologie und des Humanwissenschaftlichen Zentrums der Ludwig-Maximilians-Universität München. Früher Geschäftsführender Oberarzt, Medizinische Klinik der Universität Ulm.



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"Wenn der Film bewirken könnte, dass  Politiker Ressourcen bereitstellen, um diese Art der Wissenschaft und diese Art von Wissen zu konsolidieren, niederzuschreiben und verfügbar zu machen, dann würde der Film weit mehr erreichen, als seine Beteiligten sich wahrscheinlich jemals gedacht haben."

Prof. Dr. med.
Franz Porzsolt