Das Reinigungsritual beginnt mit umfangreichen Vorbereitungen. Ein zeremonielles Schlammbad und eine mehrtägige spezielle Diät. Erst dann ist man bereit. Fritz, ein junger Wiener schildert uns hier seine ganz persönlichen Erlebnisse während eines Rituals mit Don Agustin. Niemand macht die gleiche Erfahrung. So unterschiedlich die Menschen und ihre seelischen Verwerfungen sind, so unterschiedlich sind auch die Eindrücke während einer Zeremonie.

Es ist am Anfang der Ayahuascawirkung sehr angenehm warm aus dem Bauch. Ich ruhe in einem Gefühl der Selbstzufriedenheit. Sollte das alles sein was jetzt passiert ist es auch o.k. Einfach ein paar Stunden diesen Zustand genießen, mich darin einkuscheln, einfach nur sein.

Es wird dann nach einiger Zeit zusehends unangenehmer, ich fühle mich  erschöpft, ausgelaugt, schlafe beinahe ein. Ein Teil von mir will nichts mehr wissen von alledem, will einfach schlafen, irgendwie durchs Schlafen aus diesem Erlebnis, allem aussteigen. Ich will auf eine tiefere Ebene, raus aus dem Leben. Dann aber beschließe ich nicht einzuschlafen und mich auf das was gerade passiert einzulassen. Ich will einfach nicht an diesem Punkt stehen bleiben und diese lebensverneinende Stimmung dann mitnehmen.

Es tut mir im Rücken weh und im Unterbauch, als ob dort die Kraft abgeschnitten ist, alles wie zusammenklappt - und es tut mir in der Stirne weh. Ich sitze dann so da, ziehe mir die Decke über den Kopf, sitze unter der Decke, beginne unwillkürlich heftiger zu atmen. Nach einiger Zeit entsteht in mir der Impuls den Kopf zu schütteln und nein zu sagen. Ich mache das dann leise für mich und flüstere ...nein, nein, nein! Mir ist als würde ich von außen mit Anforderungen zugeschüttet, und ich muss das alles abarbeiten bis ich wieder "Ich selbst" sein darf. Und es kommt immer mehr an Anforderungen, es ist kein Ende abzusehen. Das ist so ein inneres Bild, als wäre ich genau jetzt in so einer Situation. Ich denke "die" sollen mich alle in Ruhe lassen und verschwinden. Später wird mir klar, dass ich gar nicht ausgeliefert bin, ich darf zuallererst und immer ich selbst sein, und dann werd ich nach meinen Fähigkeiten, Energien und meinem Willen Anforderungen von Außen erfüllen - oder auch nicht.

Zu dem Muster, mich Anforderungen von Außen so ausgeliefert zu fühlen, gehört auch, mich über die "böse" Welt zu beschweren, und auch, ich darf nicht nein sagen, außer es geht mir so schlecht, das ich nicht mehr kann.
Es geht aber darum was ich will. Am Ende liege ich noch am Rücken und ziehe schwarze schleimige Fäden aus meinem Unterbauch und meiner Stirn und leite sie ab, übergebe sie nach oben. Auch wieder ein inneres Bild, wobei diese Fäden richtig sichtbar und fühlbar sind.

Irgendwann während der Sitzung, in dem Moment wo die Erschöpfung am größten war, sehe ich ein Bild wo sich die Ladetür eines LKW's  öffnet und  unzählig viele Totenschädel herauskullern, schön saubere, trockene Knochen, es gibt einen hellen Klang wie wenn ganz trockenes Holz zusammenschlägt, fast friedlich, Frieden ist eingekehrt in die Toten. (Dieses Bild ist die Fortsetzung einer früheren ähnlichen Erfahrung, ich will jetzt nicht weiter darauf eingehen)

Am nächsten Tag in der Früh fühle ich mich zunächst ziemlich abgeschnitten, allein, deprimiert. Dann vergeht es. Ich berichte davon in der Austauschrunde und Augustin meint, ich solle mich mit Gott beschäftigen, mit einem unbekannten (wahrscheinlich, sinngemäß mit Gott wie ich ihn zu verstehen glaubte!).

Eine Erfahrung ist nach einem Reinigungsritual für alle gleich. Der Phase der Erschöpfung folgt das Gefühl einer lange anhaltenden Befreiung. Es ist, als ob man seine positiven Kräfte schärfer, genauer wahrnimmt, sie öfter und mit mehr Freude einzusetzen weiss. Zum Anfang

 


 

 

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