Don Agustin Rivas Vasquez
kam 1933 in Tamishiyacu, Peru, am Ufer des Amazonas zur
Welt. Seine Kindheit war, wie bei den meisten Menschen
dieser Gegend, von den geheimnisvollen Zeremonien
berühmter Geistheiler geprägt. Manche dieser Schamanen
waren gut, anderen sagte man böse und gefährliche
Eigenschaften nach. Als Kind beobachtete er einen
berühmten "Banco" dabei, (höchste Stufe bei Schamanen) wie er
seine Mutter vom tödlichen Fluch eines magischen
Pfeils befreite, den ihr ein böse gesinnter Schamane
sandte. Der "Banco" saugte in einem
schamanischen Ritual den Pfeil heraus, obwohl
sich seine Mutter an einem ganz anderen Ort aufhielt.
Agustin's Leben machte viele Umwege bevor er wieder
in sein Heimatdorf Tamishiyacu zurückkehrte, wo er bis
zum heutigen Tage lebt. Als 13-Jährigen schickten ihn seine Eltern
nach Iquitos, in die Hauptstadt der Amazonasregion Perus.
Er sollte ein Priesterseminar besuchen. Rebellisch und frühreif wie er
war, flüchtete Agustin bald von dort und begab sich auf eine
lange Reise. Sie führte ihn erst in die Hauptstadt
Perus, nach Lima, dann wieder zurück nach Iquitos, nach
Pucallpa und schließlich wieder heim nach Tamishiyacu.
Don Agustin eignete sich während seiner Wanderjahre viele
Fähigkeiten an, wobei seine Ausbildung im Umgang mit
Holz für ihn am bedeutungsvollsten war.
Don Agustin ließ sich in Pucallpa nieder und gründete
eine Familie. Bald führte ihn sein Geschick im Umgang
mit Holz zu neuen Gestaltungsformen. Er entdeckte seine
Neigung zur Holzbildhauerei. Gleichzeitig ging er in die
Lehre bei den großen "ayahuasqueros" seiner Zeit. Eine
Vision zeigte ihm schließlich seinen künstlerischen Weg:
Eines Nachts sah er im Traum unzählige Holzfiguren
aufmarschieren und hörte dazu die Stimme seiner
verstorbenen Großmutter, die ihn dazu ermunterte sakrale
Skulpturen aus Holz zu schaffen. Von nun an inspirierte ihn
die Bilderwelt seiner Visionen zu seinen Werken. Er schuf ungemein einprägsame Kunstwerke aus der
schamanischen Symbolwelt und schnitzte Darstellungen der
vielen Geistwesen die den peruanischen Regenwald
bevölkern.
Immer wieder begab sich Don Agustin in die Sümpfe des Waldes
um nach den Wurzeln des Remo-Caspi Baumes zu suchen. In
den bizarr verschlungenen Formen entdeckte er die Wesen
und Ereignisse aus seinen Visionen. Bevor er begann
danach seine
Skulpturen zu formen, unterzog sich Don Agustin einer speziellen Diät.
Dabei öffnete er sich der
Wesenheit bestimmter Pflanzen und erkannte deren
schamanischer Gebrauch. Um diese Beziehung zu vertiefen Dabei zog er
sich meditierend immer wieder tief in den Dschungel zurück.
Als die Zeit gekommen war, seine Arbeit auch anderen
Menschen zu zeigen, schenkte
ihm sein Lehrer, Don Ramon ein Parfüm-Fläschchen. In das
blies der große Schamane eine spezielle "Icaro" (Magische
Pfeifenmelodie). Damit sollte der
Verkaufserfolg seiner Skulpturen beschworen werden. Und
tatsächlich wurde Don Agustin bald ein berühmter Bildhauer
von nationalem und internationalem Ansehen. Sogar von
der Österreichischen Regierung wurde er zu einer
Ausstellung seiner Werke eingeladen.
Don Agustin begann jetzt auch Menschen zu heilen. Don
Ramon und dessen Frau - ebenfalls eine Schamanin -
hatten einen Traum, nachdem sie Don Agustin ermächtigten
zu heilen. Er begann seine Heilpraxis mit Kindern doch
bald darauf behandelte er auch Erwachsene. Immer wieder
zog sich Don Agustin in die Einsamkeit des Waldes zurück
um dort den Kontakt zu den Spirits (Geistwesen) der
Pflanzen und der Natur zu suchen.
Ein dramatischer Moment in seinem Leben war der, als er
seinen eigenen Lehrer, Don Ramon, behandeln musste,
als dieser von seinem eigenen Sohn mit einem Fluch
belegt wurde. Er heilte auch Don Eulogio Brito,
einen Shipibo Schamanen, mit dem er gelegentlich
studierte. Nun wusste er, dass er bereit war. Er kannte
viele "Icaros" und "Mariris" vom Geist der vielen
Pflanzen und verstorbener Schamanen. Dazu hatte er sich
auch das "Yachay", oder magische Phlegma der Amazonas
Schamanen angeeignet. Das ermöglichte es ihm, Menschen vor
Schaden und Krankheit zu bewahren.
Don Agustin, der Musiker, entwickelte auch ein eigenes
Instrument, den
"El Arco del Duende" was soviel wie "Elfenbogen"
heißt.
Die eindringliche Kraft dieser zarten Musik ist ein
wunderbarer Begleiter bei den spirituellen Reisen.
Was seine schamanische Praxis jedoch in den Vordergrund
vor seinen künstlerischen Erfolg rückte, war ein
schrecklicher Unfall. Hoch oben auf einem Baum wollte er
einen Ast für seine Skulpturen schneiden. Der Ast brach
und er wurde hoch durch die Luft geschleudert. Um sein Leben zu
retten, klammerte er sich an den Stamm einer Palme,
deren giftigen Stacheln die Nervenstränge beider Arme
beinahe ganz zerstörte. Die Freunde von Don Agustin
brachten ihn zu einer komplizierten Operation nach
Österreich. Danach konnte er seiner Finger zwar
teilweise wieder bewegen, aber er hatte jegliches Gefühl
darin verloren. Von nun an widmete sich Don Agustin ganz
seinem sozialen Engagement und der Heilung von Menschen.
Mit großem Erfolg begann er junge Drogenabhängige in
einem Lager zu behandeln, dass er viele Kilometer
außerhalb von Pucallpa im Dschungel führte. Von weit her
und aus vielen Ländern kamen Menschen um bei Don Agustin
Hilfe zu finden. Er schloss viele Freundschaften und
wurde nach Amerika und Europa eingeladen um dort den
Peruanischen Amazonas Schamanismus zu lehren. Der Coca
Mafia jedoch war er ein Dorn im Auge. Die war nicht an
schamanischen Heilungsorten interessiert sondern an noch
mehr Land für den Coca Anbau. Schließlich gelang es
einigen Coca Pflanzern Don Agustin aus seinem Dschungel
Camp zu vertreiben. Don Agustin kehrte in seinen
Heimatort Tamshiyacu zurück und errichtete unweit davon
ein neues Lager, das er "Yushintaita" nannte.
Yushintaita kann man durchaus als eine Art schamanischen
Campus bezeichnen. Ein Zentrum für Lehrende und
Lernende. Hierher kommen in kleinen Gruppen Menschen aus
aller Welt, denen nicht nur ihre eigene Sinnsuche und
Heilung ein Anliegen ist. Es sind Menschen, die sich um
Frieden, Umwelt und internationale Solidarität bemühen.
Ein guter Ort, der Dank Don Agustins Spiritualität nicht
nur Menschen zu heilen vermag. Auch Beziehungen zwischen
entfremdeten Kulturen werden hier erneuert und mit neuer
Kraft versehen. Beinahe unmerklich webt Don Agustin ein
magisches Netzwerk von Beziehungslinien die kreuz und
quer über Kontinente und Erdteile führen. Es soll
Freundschaft entstehen. Zu seinen Menschen in
Tamshiyacu, den Spirits, den Wesenheiten des Regenwaldes
und zu einer neuen Kultur, die aus den Waldstämmen des
peruanischen Amazonasgebietes und den europäischen
Einflüssen aus der Zeit der Conquistadores entstand.
Noch ein Dschungel-Camp entstand. Otorongo, oder Jaguar.
Ein seltsames, 5-stöckiges, konisches Gebäude, das Don
Agustin zuvor in einem Traum gesehen hatte. Es dient als
Tempel für Heilungszeremonien aber auch als Schlafplatz
für Ruhesuchende.
Durch seine Liebe zu den Menschen, seine Weltoffenheit,
seine Kreativität und Heilkraft, ist Don Agustin
einer jener Schamanen der Neuzeit geworden, deren
heilender und harmonisierender Einfluss weit über
Yushintaita hinausreicht.
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